Runder Tisch zum Stadtwald Darmstadt

Bericht und Leitbild zum Stadtwald vom NABU Darmstadt mitgetragen

Sorge um den Wald im Klimawandel

Inzwischen sind es Jahrzehnte, in denen der Wald in Deutschland und auch in unserer Region leidet. Nach der Belastung durch Luftschadstoffe, die zum „sauren Regen“ führte und die zwar abgemildert, jedoch nicht abgestellt wurde, sind es die Hitze und Trockenheit der letzten Jahre sowie wiederholte Unwetterereignisse, welche dem Wald immer wieder zusetzen. Zusätzliche Schädigungen durch Insekten werden dadurch erleichtert. Die Bedingungen für eine Erholung von schädlichen Einflüssen haben sich durch deren Zusammenwirken verschlechtert. Die Zeitspanne, welche ein Wald braucht, um wieder einen stabilen Zustand zu erreichen, ist relativ lang, die Schadereignisse folgen jedoch in immer kürzeren Abständen. Das verlangt den Verantwortlichen neue Strategien und eine veränderte Pflege ab. Die Stadt Darmstadt hat im Stadtwald als erste Konsequenz das Baumfällen zu Einnahmezwecken bereits eingestellt. Doch das reicht nicht aus, um die Waldbewirtschaftung in Zukunft an die schwierigeren Bedingungen anzupassen. Der Westwald ist derzeit in einem eindeutig schlechten Zustand. Jedoch weist auch der Ostwald nach den letzten trockenen Jahren Schäden auf, denen durch forstliche Maßnahmen begegnet werden muss. Eine Zustandsbeschreibung  des Stadtwalds aus dem Jahr 2020 findet sich in den veröffentlichten Unterlagen des Magistrats. Darin ist auch eine Karte enthalten, auf der die Aufteilung in Staats- und Stadtwald um Darmstadt herum zu erkennen ist.

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Waldzustandsbericht
Quelle: Stadt Darmstadt 2021
Waldzustandsbericht_2020.pdf
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Aufgabe des Runden Tischs zum Stadtwald

Der Magistrat der Stadt Darmstadt berief im Herbst 2019 einen Runden Tisch zum Stadtwald ein. Dazu waren unter anderen Parteien, Ämter mit Berührungspunkten zum Wald, das Darmstädter Forstamt von Hessen-Forst, Wissenschaftler, Naturschutzverbände und Bürgerinitiativen eingeladen. Sie diskutierten ihre Vorstellungen über den zukünftigen Schutz des Stadtwalds. Zu beachten ist, dass der Stadtwald nicht den gesamten Wald um Darmstadt herum umfasst. Vielmehr gibt es einen Flickenteppich von Wald in städtischer Verantwortung und Staatswald, über dessen Bewirtschaftung das Land Hessen entscheidet. Ziel des Runden Tischs war der Entwurf eines Leitbilds für den Wald, das den demokratisch gewählten Stadtverordneten zur Entscheidung vorgelegt werden sollte. Dazu wurden Experten zu verschiedenen Themen angehört. Über die Jahreswende wurde das vorher ausführlich erörterte Leitbild abgestimmt. Zu einzelnen Planungen, die mit potenziellen Eingriffen in den Stadtwald verbunden sein könnten, sollte der Runde Tisch keine Aussagen machen.

Empfehlung des Runden Tischs: mehr Naturnähe erwünscht

Zusammenfassen lässt sich der Bericht in der Forderung, dass sich der Darmstädter Wald stärker zu einer natürlichen Waldlandschaft hin entwickeln soll. Diese Entwicklung bedeutet nicht, dass auf alle Eingriffe verzichtet werden kann. Aber alle Maßnahmen sollen daraufhin ausgerichtet sein, dass der Wald als Ökosystem stabilisiert werden soll, ohne den Focus auf Einnahmen durch den Holzverkauf zu richten. Der Stadtwald soll gegen den Klimawandel mit Trockenheit und heftigeren Stürmen besser gewappnet sein. Grundsätzlich soll der Wald im bisherigen Umfang erhalten bleiben. Allen Beteiligten war auch klar, dass die Erhaltung des Westwalds eine deutlich größere Herausforderung bedeutet als die des Ostwalds. Die natürlichen Voraussetzungen sind unterschiedlich, der aktuelle Zustand des Walds ebenso. Der Westwald mit seinen Baumschäden braucht im Detail andere Lösungen als der im Osten der Stadt. Welche Baumarten und welche Schutzmaßnahmen und gezielten Eingriffe sich angesichts der Klimaveränderung bewähren, muss auch durch Lernen in der Praxis erprobt und erforscht werden. 

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Bericht und Leitbild für den Stadtwald
Quelle: Stadt Darmstadt
Bericht_RT-Wald_2020.pdf
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NABU Darmstadt stimmt für das Leitbild

Für den NABU Darmstadt stimmte der Vorsitzende in Absprache mit seinem Stellvertreter zu. Beide hatten die Diskussionen im Runden Tisch intensiv verfolgt. Unsere Begründung: Der Bericht und das Leitbild bilden die wichtigsten Orientierungen zum Schutz des Stadtwalds ab. Fürs Erste erscheint der Bericht auch differenziert genug, um die Bandbreite des Handlungsbedarfs aufzuzeigen. Die Aufgabe, den Wald zu schützen und zu stabilisieren, ist damit natürlich nicht erreicht, sondern beginnt erst. Die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung wird auch nur ein Baustein dazu sein. Da der Bericht auch konkurrierende Ziele beinhaltet, wird die Umsetzung in die Praxis erst entscheiden, ob der Stadtwald sich regenerieren und den überregionalen Einflüssen wie dem Klimawandel standhalten kann. In jedem Fall braucht es einen fachlich fundierten Prozess, der die Ziele immer wieder prüfen und bei Bedarf neu justieren muss. Zwischen Westwald und Ostwald werden dabei erhebliche Unterschiede zu machen sein, die im Bericht auch anklingen. Auch den Bericht hat die Stadt Darmstadt veröffentlicht: Bericht und Leitbild für den Stadtwald.

 

Im Nachhinein äußerten sich mehrere beteiligte Parteien und Organisationen negativ in der Öffentlichkeit zu dem Ergebnis des Prozesses. Die angebotene Möglichkeit von Minderheitenvoten wurde von ihnen im Runden Tisch selbst nicht genutzt. Möglicherweise ist dieses Verhalten dem bereits eröffneten Kommunalwahlkampf geschuldet, zumal auch die Vereinbarung des Runden Tischs nicht eingehalten wurde, auf öffentliche Verlautbarungen vor der Unterrichtung des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung zu verzichten. Schließlich sind dies die Gremien, die demokratisch zu der wichtigen Entscheidung über die Zukunft des Stadtwalds legitimiert sind. Der Runde Tisch kann hierzu nur einen gut begründeten argumentativen Beitrag leisten.

Frage an die Regionalzeitung: Warum so negativ?

Am 2. April 2021 setzt das Darmstädter Echo seine Berichterstattung über den Runden Tisch zum Stadtwald fort, diesmal mit der Ablehnung durch die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), die sich u.W. überwiegend aus Förstern zusammensetzt. Leider kommen in der Regionalzeitung wieder einmal die negativen Stimmen zu Wort. Die einseitige Interpretation des Ergebnisses vieler Besprechungen durch den SDW zeigt ebenso wie viele Fällungen mit der Begründung der Verkehrssicherung, dass die Abkehr von der Holzernte-Mentalität früherer Jahre für Förster mit tradierter Einstellung nicht akzeptabel ist. Schade, dass für die Darstellung seitens des Echo offenbar weder der Bericht des Runden Tischs recherchiert wurde, noch andere Fachmeinungen als die der zitierten Förster herangezogen wurden. Der Anspruch, die Fachwelt zum Wald zu vertreten, passt weder zu den Aussagen mehrerer eingeladener Experten beim Runden Tisch noch zu öffentlichen Meldungen in TV, Rundfunk und Presse über veränderte Waldwirtschaft in Zeiten der Klimaveränderung.

 

Die spontane Kritik in einem Leserbrief wurde abgelehnt, weil der NABU die Möglichkeit einer Pressemitteilung nutzen könnte. Das Darmstädter Echo hatte aus der gemeinsamen Pressemitteilung von NABU, BUND und Pro Walderhalt jedoch nur zwei Sätze veröffentlicht.

 

 

 


Eingereichter Leserbrief vom 03.04.2021

 

Im Darmstädter Echo zu lesen, dass außer der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald alle Beteiligten des Runden Tischs das Abschlusspapier unterschrieben hätten, überrascht. Haben doch bisher schon mehrere Organisationen, darunter auch Parteien, ihre Ablehnung in der Zeitung kundgetan. Als Beteiligter kann ich die stark vereinfachte Zusammenfassung durch die SDW nicht nachvollziehen. Als regelmäßiger Teilnehmer beim Runden Tisch habe ich auch andere Fachmeinungen gehört als die der beiden zitierten Ex-Förster. Es soll jedoch anders eingegriffen werden als bisher: weniger Fällungen, kein Ausräumen, keine Exoten im Ökosystem unseres Waldes. Wieso hätte der NABU Darmstadt sonst erfolgreich aufgerufen, Hessen-Forst beim Freistellen von Eichen im Gebiet Kleeneck zu unterstützen? Leider beherrschte die Diskussion um den Westwald den Großteil der Treffen, so dass die besseren Voraussetzungen des Ostwalds zur Stärkung gegen die Klimaeinflüsse nur unzureichend Thema waren. Aber deshalb muss nicht das Ergebnis des Runden Tischs einseitig dargestellt werden. Dem Echo stünde es gut an, selbst besser zu recherchieren.


Auch die Stellungnahme des Naturschutzbeirats der Stadt Darmstadt, also eines offiziell berufenen Gremiums, hat bisher keine Resonanz im Darmstädter Echo erfahren. Wir veröffentlichen daher beide Pressemitteilungen an dieser Stelle.

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Stellungnahme des Naturschutzbeirats zum Stadtwald
Erläuterungen zum Ergebnis des Runden Tischs
PM_Naturschutzbeirat_Stadtwald.pdf
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Gemeinsame Pressemitteilung von NABU, BUND und Pro Walderhalt
zum Ergebnis des Runden Tischs zum Stadtwald Darmstadt
PM_Leitbild-DA-Stadtwald_NABU-BUND-Walde
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