33°C, Sonne pur, Schatten rar. In der ohnehin wärmsten Region Deutschlands wollten vier Naturbegeisterte aus dem hohen Darmstadt die Besonderheiten dieses einzigartigen Naturraums erkunden. Verrückt? Aber erfolgreich. Miriam, Lukas, Stefan und Torsten waren einen Tag lang in diesen faszinierenden Natur- und Kulturräumen unterwegs.
Geprägt ist die Landschaft von einem ca. 18 Millionen alten vulkanischen Gesteinsmix. Ein ultrabasisches, weil kieselsäurearmes Gestein verglichen zu den eher sauren basaltischen Vulkangesteinen unserer Region. Dazu als geologische Einzigartigkeit für Deutschland das Vorkommen von Karbonatit, ein Vulkangestein was zu 90% aus Calcit besteht. Darüber eine meterdicke Lösslage (= verdichteter kalkhaltiger Feinstsand), ein Überbleibsel aus dem nacheiszeitlichen Klima Südbadens. Letztlich der ideale Untergrund für den dortigen allüberall anzutreffenden Weinanbau. Und natürlich ein ideales Substrat für Insekten und Vögel, um dort ihre Bruthöhlen zu bauen.
Unser erster Halt war das Naturschutzgebiet Büchsenberg bei Niederrotweil. Blühend konnten wir noch den Diptam (= Brennender Busch) bewundern. Dieses sehr seltene und giftige Rautengewächs bevorzugt die warmen Süd- und Südosteuropäischen Naturräume. Bei uns im hohen Norden kommt er wild (noch) nicht vor. So war auch ein Ziel unseres Ausflugs zu vergleichen, wie sich die Tier- und Pflanzenwelt mit der Klimaveränderung auch anpasst. So sind die für den Kaiserstuhl so typische Europäische Gottesanbeterin, die verschiedenen Holzbienenarten aber auch unter den Vögeln die Zaunammer und Bienenfresser mittlerweile im Darmstädter Raum heimisch geworden. Beide letztere konnten wir am Büchsenberg intensiv beobachten. Selbst eine Zippammer war kurz Zaungast, was selbst für diese Region eine Ausnahme darstellt. Ein besonderes Relikt aus den warmzeitlichen Phasen des Pleistozäns ist die Flaumeiche, deren knorrige Wuchsform wir vor Ort bewunderten. Ob ihr Verbreitungsgrad irgendwann auch bei uns ist?
An unserer zweiten Station an dem Aussichtspunkt Mondhalde bei Oberbergen nahmen wir unsere wohlverdiente Vesper ein. Hier in der Mittagsglut sprangen wir von Schatten zu Schatten auf der Pirsch nach den faunistischen und floristischen Besonderheiten. Und wir wurden belohnt: Der Wendehals war zu hören, der Alpensegler drehte seine Runden und der Wiedehopf war plötzlich über uns in einer Baumkrone aktiv und rief minutenlang sein "HuHuHu" ins Tal zu seinem Rivalen... Luftlinie ca. 1km entfernt. Er ließ sich durch unsere Beobachtungen gar nicht stören. Allerdings war es dann irgendwann einem Buntspecht-Männchen zuviel, der den Wiedehopf verscheuchte. Hatten wir so auch noch nie beobachtet. Ging dem Specht der monotone Gesang auf die Nerven? Für die Eidechsenfreunde war die Sichtung einer noch jungen Smaragdeidechse, später einer Zauneidechse und einer ziemlich kräftigen Blindschleiche aller Mühe Schweiß wert.
Zum Abschluss ging es noch zum Forstlichen Arboretum Liliental - ein Muss für alle Botanik-Freunde. Die Vielfalt der dort angepflanzten Bäume ist schon bestechend. Aber besonders bekannt geworden ist der Artenreichtum an Orchideen auf den dortigen besonders gepflegten Wiesen. Miri und Lukas, die schon öfters dort waren, haben ca. 20 verschiedene Arten dort beobachtet. Und wir bestaunten u.a. Bienen-Ragwurz, die Bochs-Riemenzunge und den Violetten Dingel.
Alles in allem eine tolle naturkundliche Tagesexkursion und für uns sicherlich nicht das letzte Mal, dass wir da waren.





















